Manchmal kann ich es nicht fassen. Wie ist das möglich? Wir leben „keskellä ei mittään“, so heißt es auf Finnisch, „in the middle of nowhere“.
Abends stehe ich auf der Terrasse und lausche. Ich strenge mich an und versuche, irgendetwas zu hören. Nichts! Und die Stille am Morgen: Kein Autoverkehr, kein Fluglärm, nachts keine lauten Gespräche von rücksichtslosen Passanten. Mein Gehirn kann seine Träume zu Ende träumen. Ich erwache „ausgeträumt“. Das ist noch einmal etwas anderes als „ausgeschlafen“.
Manchmal fühlt es sich wirklich an wie der letzte Außenposten der Zivilisation. Während ich das schreibe sind es draußen 20 Grad minus. Wie lange würde ich da draußen überleben? Klar, die Samen, die Ureinwohner in Lappland, wissen, wie das geht. Aber ich?
O.K., wenn ich super angezogen bin, könnte ich 10, vielleicht 12 Kilometer marschieren. Wenn ich Glück habe, treffe ich dann auf eine menschliche Ansiedlung. Aber nur, wenn ich nicht im Tiefschnee steckenbleibe.
Ganz leicht ist die Fortbewegung selbst auf einer ebenen, kaum verschneiten Eisfläche nicht. Die Welt kommt leicht ins Rutschen…
Das bedeutet „keskellä ei mitään“: Die einzigen Spuren, die man trifft, sind die eigenen. Kilometerweit. Wochenlang.
Foto: Dank an lightscape auf unsplash.
Wir sind umgeben von einer großen, unberührten Natur.
Zugleich leben wir hier mit allem Komfort. Fließend warm Wasser (kaltes sowieso), Strom, Internet, Holz ohne Ende (wenn der Strom mal ausfällt), Sauna, in der nächsten Stadt zwei große Supermärkte mit komplettem Sortiment, ärztliche Versorgung auf höchsten Niveau und so weiter und so weiter. Wirklich, ich kann es manchmal nicht fassen: Dieser Winkel ist einer der privilegiertesten Orte der Welt. Und wir haben hier einen Platz!
Das ist die Kirche von Lieksa. Und morgen ist Sonntag. Da werde ich meinen Dank an höchster Stelle vorbringen. Und die Frau, mit der ich hier lebe, auch.