Es gibt Schönheit, die ist kaum auszuhalten. Wir taumeln von einem überwältigenden Panorama ins nächste. Egal worauf wir den Sucher unserer Handykamera richten, überall präsentiert sich ein unwiederbringlich schönes Motiv.
Am liebsten möchte man diese Landschaften komplett in sich aufnehmen, man möchte sie sich einverleiben, sie aufsaugen. Sie sollen Bestandteil werden, Bestandteil von mir selbst.
Zugleich möchte man in so eine Landschaft eintauchen, in ihr aufgehen, sich in ihr verlieren, mit ihr eins werden und in ihr verschwinden…
Doch dafür ist sie zu groß, zu kalt, zu überwältigend und zu … anders eben. Die Welt und das Ich: Es bleibt immer etwas, was trennt. Das tut weh. Im Vokabular der Welterklärer gesprochen: Die Differenzerfahrung zwischen (Ich-)Sein und Dasein, also zwischen dem, was das Ich ist, und dem, was ihn an Schönem umgibt, verursacht dem Menschen Schmerz.
Von diesem Schmerz lernt man in Finnland etwas.
Was hilft?
Fotografieren hilft, ein wenig zumindest: Wenn ich mir das Schöne schon nicht einverleiben kann, dann will ich es wenigstens besitzen. „Auf die (Foto-)Platte bannen“, hieß das früher. Und das fotografierte Bild steht mir dann jederzeit zur Betrachtung zur Verfügung. Wenn es künstlerisch gemacht ist, vermag es sogar das Gefühl zu wecken, das ich im „Originalmoment“ hatte. Und doch, ein schwacher Trost. Erinnerungen verblassen mit der Zeit.
Was hilft sonst?
Klar, Drogen: Manche Substanzen können den gefühlten Unterschied zwischen draußen und drinnen auflösen, insbesondere LSD soll dazu in der Lage sein. Andere Drogen dämpfen den Schmerz, der mit der Differenzerfahrung verbunden ist. Das hat aber alles Nebenwirkungen, die das Ich auf die Dauer zerstören.
Religion hilft: Ich verbinde mich mit Gott und bin über ihn mit der Schöpfung verbunden. Schön. Muss man nicht viel zu sagen.
Singen hilft. Es ist vermutlich die älteste Kulturtechnik, in der sich der Mensch mit dem, was von außen an ihn (an sein Gehör) herandringt, harmonisch verbinden kann. In der Harmonie verschmelzen Innen und Außen. Obwohl, das gilt im Grunde auch für eine kreative Tätigkeit. Autoreparieren zum Beispiel, ein Bild malen oder kochen: Ich nehme, was ich im Dasein vorfinde und trage mich mit dem, was ich daraus entstehen lasse, neu in das Dasein ein. Im schöpferischen Akt finden Außen und Innen zusammen.
Ob Martin Luther das wußte? „Der Mensch ist zum Arbeiten geboren wie der Vogel zum Fliegen…“
Wo war ich?
Ach ja, der schöpferische Akt: Was gegen den Schmerz hilft, ist schließlich die gemeinsame Ekstase. Wie heißt es doch so schön: „Nur im Moment der lustvollen Ekstase bleibt der Mensch nicht mit sich allein.“